Die teuerste Sicherheit der Welt: 3,55 Billionen Euro liegen auf deutschen Konten und werden jedes Jahr weniger wert
Eine neue Studie beziffert, was europäische Haushalte in zehn Jahren liegen gelassen haben, weil ihr Geld auf dem Konto blieb. Die deutschen Zahlen sind noch eindrucksvoller: 3,55 Billionen Euro in Bargeld und Einlagen, das sind 37,4 Prozent des gesamten Geldvermögens. Was diese vermeintliche Sicherheit tatsächlich kostet, warum „die Inflation liegt doch bei 2 Prozent“ die gefährlichste Beruhigung überhaupt ist, und welche zwei Wege aus der Konto-Falle führen. Mit den echten Zahlen, auch zum Preisrückgang 2023 und warum er solide finanzierte Eigentümer kaum getroffen hat.

Der Anlass: eine Billionenzahl aus London
Mitte September veröffentlichte der Vermögensverwalter Invesco gemeinsam mit dem Centre for Economics and Business Research (Cebr) eine Untersuchung mit einer Schlagzeile, die es in die gesamte Finanzpresse schaffte: Haushalte in Deutschland, Großbritannien und Italien hätten zwischen 2015 und 2025 zusätzlich 1,16 Billionen Euro aufbauen können, wenn sie die Hälfte ihrer jährlichen Sparbeiträge angelegt hätten, statt sie auf dem Konto zu lassen. Auf Deutschland entfallen 526 Milliarden Euro, rechnerisch rund 12.700 Euro pro Haushalt.
Ich halte solche Zahlen für begrenzt nützlich, und ich sage Ihnen auch warum:
Woher die Zahl kommt und was sie wert ist
Invesco ist ein Fondsanbieter. Die Mitteilung ist ausdrücklich als Marketingmaterial gekennzeichnet. Die Modellierung stammt zwar von einem unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut, gerechnet wurde aber rückwärts, über einen Zeitraum mit außergewöhnlich starken Aktienjahren. Invesco schreibt selbst dazu, dass die Wertentwicklung der Vergangenheit nichts über die Zukunft aussagt. Wer dieselbe Rechnung zehn Jahre nach vorn schiebt, bekommt womöglich eine deutlich kleinere Zahl.
Die Studie ist trotzdem lesenswert, aber nicht wegen der Milliarden, sondern wegen einer anderen Zahl, zu der ich gleich komme.
Und weil es ohnehin sinnvoller ist, mit Daten aus dem eigenen Land zu arbeiten, fange ich dort an.
Die deutsche Zahl: 3,55 Billionen Euro liegen herum
Die Deutsche Bundesbank erhebt vierteljährlich, wie das Geldvermögen der privaten Haushalte zusammengesetzt ist. Der Stand zum 1. Quartal 2026:
| Anlageform | Bestand |
|---|---|
| Bargeld und Sichteinlagen | 2.380,1 Mrd. € |
| Termineinlagen | 653,3 Mrd. € |
| Spareinlagen und Sparbriefe | 516,7 Mrd. € |
| Bargeld und Einlagen gesamt | 3.550,0 Mrd. € |
| Geldvermögen insgesamt | 9.489,9 Mrd. € |
37,4 Prozent des gesamten deutschen Geldvermögens liegen auf Konten. Nicht in Unternehmen, nicht in Immobilien, nicht in Fonds. Auf Konten.
Und der Trend geht nicht weg davon: Im ersten Quartal 2026 haben die privaten Haushalte ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um weitere 6 Milliarden Euro aufgebaut, bei Termineinlagen noch einmal um 6 Milliarden.
Der Blick über die Grenze ordnet das ein. Die Europäische Zentralbank hat dazu im September eine Auswertung veröffentlicht: Haushalte im Euroraum halten rund ein Drittel ihres Finanzvermögens in Einlagen. In den USA sind es 11 Prozent. Und: Rund 80 Prozent der Haushalte im Euroraum besitzen überhaupt keine Aktien oder andere marktbasierten Anlagen.
Das ist keine Statistik über arme Leute. Es ist eine Statistik über Gewohnheiten.
Was diese Sicherheit tatsächlich kostet
Hier kommt der Punkt, an dem die meisten Gespräche in meinem Büro kippen, weil die Rechnung, um die es geht, praktisch niemand einmal gemacht hat.
Auf dem Konto ist der Nennbetrag sicher. Wer 100.000 Euro einzahlt, hat später 100.000 Euro plus Zinsen. Was nicht sicher ist, und zwar in eine sehr verlässliche Richtung unsicher, ist die Kaufkraft dieser Summe.
Das Statistische Bundesamt führt den Verbraucherpreisindex auf Basis 2020 = 100. Die Werte:
| Jahr | VPI (2020 = 100) | Teuerung |
|---|---|---|
| 2021 | 103,1 | +3,1 % |
| 2022 | 110,2 | +6,9 % |
| 2023 | 116,7 | +5,9 % |
| 2024 | 119,3 | +2,2 % |
| 2025 | 121,9 | +2,2 % |
| August 2026 | 125,8 | – |
Im Klartext: Wer Anfang 2020 100.000 Euro auf dem Konto hatte und sie dort liegen ließ, kann sich davon heute noch Waren und Leistungen im Wert von rund 79.500 Euro kaufen. Rund 20.500 Euro sind weg.
Kein Kontoauszug hat das je ausgewiesen. Auf dem Papier steht immer noch dieselbe Zahl. Genau das ist der Grund, warum dieser Verlust der einzige ist, den niemand bemerkt, und der einzige, gegen den sich fast niemand wehrt.
Wie derselbe Effekt auf eine künftige Rente wirkt, können Sie mit unserem Rentenlücken-Rechner selbst durchspielen.
„Aber die Inflation liegt doch bei zwei Prozent“
Diesen Satz höre ich oft, und er ist der gefährlichste in der ganzen Debatte, weil er stimmt und trotzdem in die Irre führt. Drei Gründe.
Erstens: Zwei Prozent sind kein Naturzustand, sondern ein Ziel
Die Europäische Zentralbank strebt zwei Prozent an. Das ist kein Versehen und kein Unglück, sondern erklärte Politik. Was das bedeutet, rechnet aber kaum jemand aus:
- Bei exakt 2 Prozent kaufen 100.000 Euro in zehn Jahren noch das, was heute rund 82.000 Euro kaufen.
- Nach zwanzig Jahren sind es noch rund 67.000 Euro.
- Die vollständige Halbierung der Kaufkraft tritt bei 2 Prozent nach rund 35 Jahren ein.
Das ist der Erfolgsfall. So sieht es aus, wenn alles nach Plan läuft.
Zweitens: Die letzten Jahre lagen nicht bei zwei Prozent
Von 2020 bis August 2026 ist der Index von 100 auf 125,8 gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen Teuerung von rund 3,5 Prozent pro Jahr. In diesem Tempo halbiert sich die Kaufkraft nicht in 35 Jahren, sondern in etwa 20.
Drittens, und das ist der entscheidende Punkt: Sie kaufen nicht den Index
Der Verbraucherpreisindex ist ein Durchschnitt über alles, was Haushalte kaufen, vom Flachbildfernseher bis zur Miete. Ihr persönlicher Warenkorb sieht anders aus. Und in den Kategorien, die jeden Monat auf dem Kontoauszug auftauchen, sieht die Entwicklung deutlich unangenehmer aus:
| Bereich | Index 2025 (2020 = 100) | Teuerung seit 2020 |
|---|---|---|
| Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | 136,2 | +36,2 % |
| Verkehr | 127,1 | +27,1 % |
| Wohnung, Wasser, Strom, Gas | 117,5 | +17,5 % |
| Gesamtindex | 121,9 | +21,9 % |
Allein 2022 verteuerten sich Nahrungsmittel um 12,5 Prozent, 2023 noch einmal um 12,3 Prozent.
Und jetzt die Rechnung, die man sich merken sollte: Eine Teuerung von 36,2 Prozent in fünf Jahren entspricht rund 6,4 Prozent pro Jahr. In diesem Tempo halbiert sich die Kaufkraft in gut elf Jahren.
Für den Gesamtindex stimmt die verbreitete Faustformel „alle zehn Jahre halbiert sich das Geld“ also nicht. Für den Einkaufswagen der letzten fünf Jahre stimmt sie fast auf das Jahr genau. Wer das Gefühl hat, dass sein Geld schneller schrumpft, als die offizielle Rate nahelegt, hat nicht schlecht gerechnet. Er hat nur einen anderen Warenkorb als die Statistik.
Dass hinter der Geldentwertung auch die öffentliche Verschuldung steht, für die niemand von uns unterschrieben hat, ist Thema unseres Beitrags „33.000 Euro Schulden pro Kopf“.
Und die Zinsen? Retten auch nichts
Der naheliegende Einwand: Es gibt doch wieder Zinsen. Stimmt, und es ist besser als die Nullzinsjahre. Nur reicht es nicht, und das lässt sich in drei Zeilen zeigen.
Nehmen wir einen sehr guten Tagesgeldzins von 3,0 Prozent. Darauf fällt Abgeltungsteuer an: 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent (Kirchensteuer noch nicht gerechnet).
- 3,0 % brutto − 26,375 % Steuer = rund 2,21 % netto
- Inflation 2025: 2,2 %
- Realer Ertrag: ungefähr null
Der Sparerpauschbetrag (1.000 Euro für Alleinstehende, 2.000 Euro für zusammen veranlagte Paare) verbessert das Bild bei kleineren Beträgen etwas. Bei 100.000 Euro und 3 Prozent bleiben nach Steuer rund 2,47 Prozent, gegenüber 2,2 Prozent Inflation also ein Plus von etwa einem Viertelprozent. Auf 100.000 Euro sind das rund 250 Euro Kaufkraftgewinn im Jahr.
Und das ist der Bestfall: Spitzenkondition, Neukundenaktion, Pauschbetrag voll ausgeschöpft, Inflation auf Zielniveau. Wer sein Geld auf dem Sparbuch oder dem alten Tagesgeldkonto bei der Hausbank liegen hat, liegt real weiterhin im Minus. Jedes Jahr, verlässlich.
Die unbequeme Zusammenfassung
Ein Konto ist kein sicherer Hafen. Es ist ein Vermögenswert mit einer Rendite, die nach Steuern und Inflation im besten Fall bei null liegt. Wer das für „sicher“ hält, verwechselt nominale Stabilität mit realem Werterhalt. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge, und der Unterschied zwischen ihnen ist über 20 oder 30 Jahre die Hälfte eines Vermögens.
Warum trotzdem nichts passiert
Wenn die Rechnung so eindeutig ist, warum liegen dann 3,55 Billionen Euro auf Konten?
Die Standarderklärung lautet: zu wenig Wissen, zu wenig Geld. Und genau hier wird die Invesco-Studie interessant, denn sie widerlegt beides. Befragt wurden vom Institut Opinium zwischen dem 30. März und dem 29. April 2026 insgesamt 6.000 Sparer und Anleger in Deutschland, Großbritannien und Italien.
Unter denen, die grundsätzlich Interesse am Investieren haben, nennen als Hinderungsgrund:
| Grund | Anteil |
|---|---|
| Angst, Geld zu verlieren | 53 % |
| Zu wenig Wissen | 40 % |
| Zu wenig Geld zum Anlegen | 23 % |
Das Interesse ist also da: In Deutschland sagen 67 Prozent, dass sie sich grundsätzlich für Geldanlage interessieren. Der Zugang ist auch da: Depot in zehn Minuten, Sparplan ab 25 Euro, alles per App. Was fehlt, ist der erste Schritt.
Und dann steht da noch dieser eine Befund, der mich beim Lesen festgehalten hat:
- Von den Sparern mit mehr als 100.000 Pfund (rund 117.000 Euro) auf dem Konto sagen 49 Prozent, die Angst vor Verlusten halte sie zurück.
- Bei denen mit weniger als 20.000 Pfund (rund 23.000 Euro) sind es 36 Prozent.
Die Verlustangst verschwindet nicht mit dem Vermögen. Sie wächst mit ihm.
Das deckt sich exakt mit dem, was ich in Erstgesprächen erlebe. Die schwierigsten Gespräche über Kapitalanlage führe ich nicht mit Menschen, die knapp bei Kasse sind. Ich führe sie mit Menschen, die zwanzig Jahre diszipliniert gespart haben, die einen soliden sechsstelligen Betrag auf dem Tagesgeldkonto liegen haben und die genau deshalb jede Bewegung als Bedrohung empfinden. Das Geld war hart verdient. Es soll nicht weniger werden.
Dieser Reflex ist nicht dumm. Er ist der Grund, warum überhaupt etwas da ist. Er schützt nur vor dem falschen Risiko.
Zwei Wege aus der Konto-Falle
Ich bin Immobilienmakler und Finanzanlagenvermittler. Es wäre also naheliegend, wenn ich jetzt schriebe: „Und deshalb kaufen Sie eine Eigentumswohnung.“ Das schreibe ich nicht, weil es zu kurz gesprungen wäre.
Die entscheidende Frage ist nicht „Konto oder Immobilie“. Sie lautet: „Konto oder irgendein Vermögenswert, der arbeitet.“ Darauf gibt es im Wesentlichen zwei praktikable Antworten für Privathaushalte, und in vielen Fällen ist die richtige Lösung nicht eine von beiden, sondern eine Kombination.
Weg 1: Ein breit gestreutes Depot
Der einfachste und für die meisten Menschen der richtige Einstieg. Breit gestreut heißt: nicht drei Lieblingsaktien, sondern hunderte oder tausende Unternehmen über Länder und Branchen hinweg. Ob das über kostengünstige ETFs läuft oder über aktiv gemanagte Fonds, ist eine Frage der Kosten, der persönlichen Präferenz und der Beratung. Die Streuung ist wichtiger als das Etikett.
Was dafür spricht: Sie können klein anfangen. Sie kommen jederzeit an Ihr Geld. Der Verwaltungsaufwand ist minimal. Und es gibt keine Erwerbsnebenkosten, die erst einmal verdient werden müssen.
Worauf es ankommt: Ein Depot muss zu Ihnen passen. Kurse bewegen sich. Entscheidend ist, dass Ihre persönliche Schwankungsbreite und der Ertrag, den Sie erwarten, zusammenpassen. Wer das vorher sauber abstimmt, bleibt auch in unruhigen Börsenphasen gelassen investiert, und genau das zahlt sich über die Jahre aus. Das lässt sich in einer unverbindlichen Beratung in einer Stunde klären. Wer hier mehr wissen möchte, dem empfehle ich, sich genau diese Stunde zu nehmen.
Weg 2: Ein Teil des Barbestands als Eigenkapital in eine Kapitalanlage-Immobilie
Für Menschen mit einem größeren Barbestand ist das die Variante, über die ich am häufigsten spreche, und zwar aus einem Grund, der wenig mit Rendite zu tun hat: Eine Immobilie ist begreifbar. Man kann sie ansehen, betreten, den Mieter kennenlernen, die Nebenkostenabrechnung durchgehen. Für jemanden, dessen eigentliche Hürde die Verlustangst ist und nicht die Renditeoptimierung, kann das den Unterschied machen zwischen „ich überlege seit fünf Jahren“ und „ich habe entschieden“.
Dazu kommt ein struktureller Punkt, den es beim Depot so nicht gibt: Sie setzen einen Teil Ihres Kapitals als Eigenkapital ein, der Rest wird finanziert. Bei einer vermieteten Immobilie trägt der Mieter einen Teil der Rate mit, und unter bestimmten Voraussetzungen kommen steuerliche Effekte hinzu. Wie diese Bausteine zusammenwirken, beschreibt unser Beitrag „Kapitalanlage: mehr als Mieteinnahmen“.
Drei Dinge sorgen dafür, dass diese Rechnung trägt, und genau die prüfen wir vor jedem Kauf gemeinsam:
- ein Vermögenswert, der die Finanzierung trägt und realistisch bewertet ist,
- Mieteinnahmen, die belastbar kalkuliert sind: nach Kosten, nicht davor,
- ein Tilgungsplan, den Sie auch dann durchhalten, wenn drei Monate Leerstand und eine defekte Heizung zusammenfallen.
„Und wenn die Preise fallen?“ Ein ehrlicher Blick auf 2023
Die häufigste Rückfrage an dieser Stelle lautet: „Aber die Immobilienpreise sind doch gerade erst gefallen.“ Stimmt, und ich zeige Ihnen die Zahlen gern, weil sie bei genauem Hinsehen für die Immobilie sprechen, nicht gegen sie. Der Häuserpreisindex des Statistischen Bundesamts:
| Jahr | Veränderung |
|---|---|
| 2023 | −8,4 % |
| 2024 | −1,5 % |
| 2025 | +3,2 % |
| 1. Quartal 2026 | +1,4 % |
Ein Minus im Jahr 2023, ein kleines 2024, und seitdem geht es wieder aufwärts. Was diese Tabelle nicht zeigt, ist die andere Hälfte der Geschichte: Wer in den Jahren davor gekauft hat, hat in aller Regel zu Niedrigzinsen finanziert, teils deutlich unter zwei Prozent, festgeschrieben auf zehn, fünfzehn oder mehr Jahre.
Das hat zwei Folgen, die in keiner Preisstatistik auftauchen. Erstens: Bei niedrigem Zins fließt vom ersten Tag an der größte Teil jeder Rate in die Tilgung statt an die Bank. Der Vermögensaufbau läuft dadurch deutlich schneller, Monat für Monat, völlig unabhängig davon, was der Markt gerade für das Objekt aufrufen würde. Zweitens: Zu diesen Konditionen hat sich vielfach getragen, was man erworben hat: Die Miete deckte Zins, Tilgung und Bewirtschaftung ganz oder nahezu. Der Mieter hat die Wohnung abbezahlt, während in der Zeitung über fallende Preise diskutiert wurde.
Für diese Eigentümer war 2023 deshalb kein Verlust, sondern eine Schlagzeile. Ein Preisrückgang wird erst dann real, wenn man verkaufen muss. Wer solide finanziert hat und einen Mieter im Objekt, musste nicht und hat in derselben Zeit weiter Schulden in Eigentum verwandelt.
Natürlich will eine Immobilie sauber ausgewählt und geführt werden: Standort, Rücklagen für Instandhaltung, ein Puffer für Mieterwechsel und ein Zeithorizont, der zur Anlage passt. Das sind keine Gründe gegen den Kauf, sondern die Punkte, die man vorher klärt. Dafür gibt es Beratung.
Und damit zur Einordnung, denn wer nur auf 2023 schaut, schneidet zwei Jahre aus einer Strecke heraus, die über Jahrzehnte in eine Richtung gelaufen ist.
Der Rücksetzer war eine Episode, der lange Trend zeigt nach oben
Der Langzeitvergleich des Forschungsinstituts empirica (veröffentlicht bei Statista) indexiert die deutschen Immobilienpreise auf das erste Quartal 2004 = 100:
Deutschlandweit steht dieser Index im ersten Quartal 2025 bei rund 187, in den Wachstumsregionen bei rund 195, beides auf oder über dem bisherigen Höchststand von 2022. Der Rückgang nach dem Zinsanstieg ist in dieser Kurve eine kleine Delle von 186 auf 183 Punkte, und sie ist inzwischen wieder aufgeholt. Dasselbe Bild liefert die amtliche Statistik: Der Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum ist zwischen 2010 und 2025 um rund 90 Prozent gestiegen, trotz des Einbruchs von 2023.
Und jetzt der Punkt, der für Kapitalanleger zählt: In dieser Datenreihe gibt es kein einziges Zehnjahresfenster, an dessen Ende der deutschlandweite Preisindex niedriger stand als am Anfang. Selbst wer 2004 gekauft hat, unmittelbar vor sechs Jahren Seitwärtsbewegung, lag zehn Jahre später im Plus. Wer mindestens zehn Jahre Zeit mitbringt, hatte historisch die Statistik auf seiner Seite.
Das ist kein Zufall, sondern hat Gründe: Wohnraum ist ein Sachwert, der sich nicht beliebig vermehren lässt. Bauland ist begrenzt, Bauen wird teurer, und die Nachfrage nach Wohnraum hält an. Steigen Löhne, Baukosten und Mieten mit dem Preisniveau, ziehen die Preise bestehender Immobilien über die Zeit nach. Genau das unterscheidet die Wohnung vom Kontoguthaben: Der Geldbetrag bleibt stehen, während alles um ihn herum teurer wird, der Sachwert wird mit teurer.
Dazu kommt, was kein Preisindex zeigt: Während der Marktwert schwankt, läuft die Miete weiter und die Restschuld sinkt mit jeder Rate. Wer 2023 nicht verkaufen musste, hat von der Delle außer einer Zahl in der Zeitung wenig gemerkt. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht, und es gilt für den Durchschnitt, nicht für jedes einzelne Objekt: In den Schrumpfungsregionen derselben Auswertung lag der Index auch nach zehn Jahren noch unter dem Ausgangswert und erreichte ihn erst 2019 wieder. Deshalb entscheiden Standort, Kaufpreis und ein Zeithorizont von mindestens zehn Jahren.
Und die Lage, allerdings nicht so, wie man denkt. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Preise laut Destatis in dünn besiedelten ländlichen Kreisen um 3,6 Prozent und in Großstädten außerhalb der Top-7 um 2,9 Prozent, während sie in den sieben größten Metropolen nur um 0,3 Prozent zulegten. Der Aufschwung findet derzeit nicht in München statt. Er findet in Regionen wie der unseren statt. Mehr dazu in unserer Standortanalyse Weiden und Nordoberpfalz.
Was ich in der Praxis tatsächlich empfehle
Wenn die Hürde Angst ist und nicht Unwissen, dann hilft auch der siebte Ratgeber nicht weiter. Was in meiner Erfahrung wirkt, sind vier Dinge:
1. Nicht alles. Und nicht auf einmal. Die Entscheidung heißt nie „Konto leerräumen“. Ein Liquiditätspuffer von drei bis sechs Monatsausgaben plus alles, was in den nächsten zwei bis drei Jahren gebraucht wird, bleibt auf dem Konto und gehört auch dorthin. Verhandelt wird nur über den Teil darüber hinaus. Welche Fragen sich vor dem ersten Schritt lohnen, haben wir in „Fragen von Erstanlegern zur Kapitalanlageimmobilie“ gesammelt.
2. Die eigene Zahl, nicht die aus der Zeitung. „3,55 Billionen“ bewegt niemanden. „Bei Ihrem Barbestand, Ihrem Steuersatz und Ihrem Zeithorizont sieht die Rechnung so aus“ schon. Solange die Entscheidung im Bauch stattfindet, gewinnt immer die Angst, denn die ist im Bauch zu Hause. Auf dem Papier kann man sie wenigstens ansehen. Genau diese Rechnung machen wir im Erstgespräch gemeinsam mit Ihren Zahlen.
3. Nach Kosten rechnen, nicht vorher. Jede Rendite, die ohne Erwerbsnebenkosten, Verwaltung, Instandhaltung und Steuer daherkommt, ist eine Werbeaussage. Eine Kalkulation, die den Namen verdient, beginnt bei dem, was am Ende übrig bleibt, und hält auch dann noch stand, wenn man eine schlechtere Annahme einsetzt.
4. Den Zeithorizont vorher festlegen. Die meisten Verluste entstehen nicht durch die falsche Anlage, sondern durch den falschen Ausstiegszeitpunkt. Wer vorher weiß, dass er zehn Jahre nicht an das Geld muss, hält Schwankungen anders aus. Und wer es in zwei Jahren braucht, gehört tatsächlich aufs Konto, da ist es richtig aufgehoben. Warum bei Immobilien gerade die Zehn-Jahres-Marke zählt, steht in „Immobilie steuerfrei verkaufen: die 10-Jahres-Frist“.
Was ich hier leisten kann und was nicht
Ich bin Immobilienmakler (§ 34c GewO), Versicherungsmakler (§ 34d) und Finanzanlagenvermittler (§ 34f) und seit 2019 selbst als Investor unterwegs. Dieser Beitrag ordnet öffentlich zugängliche Daten ein und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für eine bestimmte Anlageform. Was zu Ihrer Situation passt, hängt von Einkommen, Steuersatz, vorhandenem Vermögen, Familiensituation und Zeithorizont ab. Das lässt sich nicht in einem Blogbeitrag klären, sondern nur im Gespräch mit Blick auf Ihre Zahlen.
Das Fazit
Nichts zu tun fühlt sich an wie die risikofreie Option. Sie ist es nicht. Sie ist die einzige Anlageentscheidung, deren Kosten nie auf einem Kontoauszug erscheinen, und deshalb die einzige, die man jahrzehntelang treffen kann, ohne je zu bemerken, dass man sie trifft.
Rund 20.500 Euro auf 100.000 Euro seit 2020. Bei Lebensmitteln eine Halbierung im Tempo von gut elf Jahren. 3,55 Billionen Euro, die in Deutschland auf Konten liegen und dort verlässlich weniger wert werden.
Ob die Antwort darauf ein Depot ist, eine vermietete Wohnung oder beides, ist die zweite Frage. Die erste ist, dass es überhaupt eine Antwort gibt.
Wenn Sie einen größeren Betrag auf dem Konto haben und das ungute Gefühl kennen, dass er dort nicht richtig liegt: Genau darüber rede ich in Erstgesprächen. Wir rechnen Ihre Zahlen durch (Barbestand, Zeithorizont, Steuersatz, Risikotragfähigkeit) und schauen, was davon in Ihrer Lage Sinn ergibt. Auch mit dem Ergebnis, dass es fürs Erste nichts ist. Das kommt vor, und das sage ich Ihnen dann auch. Zur Kapitalanlage-Beratung
Quellen und Datenstand
- Deutsche Bundesbank: Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im 1. Quartal 2026 (Pressemitteilung vom 16.07.2026); Bestandsdaten Bargeld/Einlagen aus Monatsbericht und Zeitreihen 07/2026.
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex, Gesamtindex und 12 Abteilungen (Basis 2020 = 100), Stand August 2026; Pressemitteilung Nr. 019 vom 16.01.2026 (Jahresteuerung 2025: +2,2 %).
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Häuserpreisindex, Pressemitteilung Nr. 219 vom 25.06.2026 (1. Quartal 2026: +1,4 %) und Nr. 101 vom 25.03.2026 (Jahreswerte 2023–2025); Preisindex selbst genutztes Wohneigentum 2010–2025.
- empirica AG (über Statista, ID 597304): Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland von 2004 bis zum 1. Quartal 2025 (Q1 2004 = Index 100), nach Regionsclustern.
- Invesco / Centre for Economics and Business Research (Cebr): „European Households missed out on more than £1 trillion by keeping savings in cash“, Pressemitteilung vom 14.09.2026. Befragung: Opinium, 6.000 Befragte in Deutschland, Großbritannien und Italien (2.000 je Markt), Feldzeit 30.03.–29.04.2026. Modellszenarien 25 % und 50 % der jährlichen Sparbeiträge, Zeitraum 2015–2025. Als Marketingmaterial gekennzeichnet.
- Europäische Zentralbank: Blogbeitrag „Why Europeans save differently, and how to put those savings to work“, 15.09.2026.
- FONDS professionell: „1,16 Billionen Euro: So teuer ist Europas Bargeldliebe“, 18.09.2026 (Auslöser für diesen Beitrag).
Eigene Rechnungen im Text sind aus diesen Quelldaten abgeleitet: Kaufkraft 100.000 € (100.000 ÷ 1,258 ≈ 79.500 €), annualisierte Teuerung und Halbierungsdauern über den Zinseszins, Nettozins nach Abgeltungsteuer (3,0 % × 0,73625 ≈ 2,21 %). Der Tagesgeldzins von 3,0 % ist ein Rechenbeispiel, keine Marktangabe.
Nächster Schritt
Sie möchten das Gelernte auf Ihre Situation übertragen?
Jede Immobilie ist anders, und jede Lebenssituation auch. Im persönlichen Gespräch übersetze ich die Theorie in konkrete Entscheidungen für Ihr Vorhaben. Kostenlos und unverbindlich.


